Aus dem Mama-Alltag | Weniger ist manchmal mehr

Es gibt diese Momente im Mama-Alltag, die einfach jegliche Kraft rauben und an den Nerven zehren. Gerade während Entwicklungsschüben läuft man da gerne mal auf dem Zahnfleisch, wenn den Kleinen wirklich den ganzen Tag nichts recht ist und man keinen Plan hat, woran es denn liegen könnte. Dann kann es aber auch passieren, dass irgendwas außer der Reihe geschieht und man einfach nicht den Grund findet, warum sie so unzufrieden scheinen. So auch vor kurzem bei uns.

Tagelang hat unsere Maus auf ihrer Krabbeldecke oder im Laufstall nur genöhlt und gemeckert. Sie lag dort unter ihrem Spieltrapez zusammen mit ein paar Spielsachen, aber spielte nicht wirklich. Egal, was ich machte, nichts war ihr recht. Legte ich sie dort ab, hat es keine 5 Minuten gedauert, bis sie losmeckerte. Ein Standortwechsel wie Wickeltisch, Sofa, Wippe oder Tragen auf meinem Arm halfen nur kurzzeitig etwas und schon ging das Gejammer wieder los, und das ab nachmittags über Stunden. Ich kam zu nichts mehr (Haushalt, Essen, Blog, etc. blieben auf der Strecke) und das Gemecker saugte mir die gesamte Energie aus und bereitete mir im wahrsten Sinne irgendwann Kopfweh, während ich gleichzeitig Sorgen hatte, was denn mit meinem Kind los sein könnte. Was fehlte ihr bloß? Man geht als Eltern ja dann die gesamte Baby-Checkliste durch: Hunger? Volle Windel? Zu kalt oder zu warm? Kuschelbedürfnis? Müde? Nein, alles okay. Es war kein schmerzhaftes Geräusch, was sie von sich gab, sondern eindeutig Unzufriedenheit. Ich hatte mal gelesen, dass man Spielsachen rund ums Baby drapieren soll, um sie zur Bewegung zu animieren. Aber sie war ja umgeben von Spielzeug, wie konnte es ihr da noch langweilig sein? 

Als ich echt am Ende mit meinem Latein war, googlete ich mal nach diesem Verhalten und wurde in ein paar Foren fündig. Es gab auch andere Mamis, deren Babies sich so benahmen. Natürlich kamen auf die Posts einige dieser typischen Antworten von Super-Mamas à la „Das ist doch alles erträglich, stell dich nicht so an“ / „Pack das Kind in ein Tragetuch und mach mit ihm den Haushalt“ (als wenn es so einfach wäre…), aber inmitten all dieser Kommentare war doch ein guter Rat: Eine Mama sagte, dass es bei ihrem Kind genauso gewesen sei, da es total überreizt war. Sie schlug vor, alles Spielzeug (auch jegliche Mobiles) für einige Tage zu verbannen und dann erst nach und nach wieder zu geben. Allerdings bewusst nur eins oder eventuell sogar etwas ganz anderes, wie zum Beispiel Küchenutensilien (Schneebesen, Holzlöffel, etc.).

Der Tipp erschien mir plausibel und am nächsten Morgen entfernte ich direkt alle, wirklich alle Spielsachen und das Spieltrapez aus ihrer Umgebung, legte meine Kleine nach dem Vormittagsschläfchen in den Laufstall und siehe da: Sie war sich selbst genug. Sie lag ganz ruhig da, schaute gemütlich zum Fenster hinaus und beobachtete die Natur ganz genau, während sie am Finger nuckelte (sie findet die Thujas in unserem Garten super spannend). Dann strampelte sie auf der Bettschlange herum und grinste dabei vergnügt, bestaunte ihre Finger, betrachtete ihr Shirt genau und befühlte es mit den Fingerchen. Übte allerlei Geräusche in unterschiedlichen Lautstärken und gluckste vor sich hin. Sie kullerte hin und her, drehte sich im Kreis und war absolut zufrieden. Sie beschäftigte sich einfach mit sich selbst und war rundum happy. Keinerlei Meckern oder Jammern.

Auch das Zurückdrehen auf den Rücken aus der Bauchlage versuchte sie nun wieder, genau wie das Aufbäumen in den Vierfüßlerstand. Gerade das Zurückdrehen probiert sie schon seit einer geraumen Zeit, aber irgendwie hatte sie bisher nicht den Dreh raus, wie sie ihre Arme dafür positionieren muss. Plötzlich, nach kurzem Hin-und-her-wackeln, ließ sie sich auf die Seite plumpsen, kullerte direkt wieder wie ein Stehaufmännchen auf den Bauch zurück und wiederholte das Ganze noch ein paar Mal. Ich war echt baff!

Man will seinen Kids ja was Gutes tun und es gibt ach so tolles Spielzeug, das – laut Hersteller – die Entwicklung fördern soll. Sie sollen möglichst bunt und kontrastreich sein, unterschiedliche Oberflächen haben, knistern, klappern, rasseln. Quasi in allen Bereichen rund ums Baby fällt auch gern der allseits beliebte Satz „…fördert die motorische, körperliche, soziale und geistige Entwicklung ihres Babys“ (Spielzeug, PEKiP, Babyschwimmen – you name it) und man fühlt sich als Eltern fast schon verpflichtet, dem Kind ein breit gefächertes Repertoire an Unterhaltung vorzulegen.

Scheinbar war meine Tochter aber wirklich nur überreizt von all den Spielsachen und deshalb total unzufrieden. Wenn sie jetzt mal auf der Krabbeldecke oder im Laufstall liegt, ist sie einfach glücklich und zufrieden, wenn sie nur sich selbst und das Betrachten und Lauschen ihrer Umwelt hat. Sie schaut entweder nach draußen oder mir beim Wuseln in ihrer Nähe zu und liebt es, nach den Katzen Ausschau zu halten (dann strahlt sie bis über beide Ohren, wenn der Kater vorbeiläuft). Ab und zu gebe ich ihr mal einen Beißring zur Beschäftigung (sie „kaut“ nämlich derzeit sehr auf Fingern oder der Faust herum), demnächst dann vielleicht auch wieder ein ausgewähltes Spielzeug. Nun ist auch die Wippe wieder interessant und auch auf meinem Arm ist sie fröhlich. Von unzufriedenem Genöhle war seither keine Spur mehr, und mir fiel ein Stein der Erleichterung vom Herzen. Happy baby, happy mommy.

Weniger ist wohl machmal wirklich mehr.

5 Kommentare

  1. Liebe Nani,

    da ich selbst Mutter einer wunderschönen 12 Wochen alten Tochter bin, danke ich dir hiermit für diesen Tipp. Ich habe zwar derzeit das Problem des Herumnörgelns noch nicht, aber man weiß ja nie! In diesem Sinne euch noch alles gute und mach weiter so. Ich bin schon sehr sehr lang stille Mitleserin deines Blogs und hoffe das noch ganz viele schöne Mama-Posts kommen werden – ich liebe aber Beauty genauso sehr wie du! Liebe Grüße Bianca

    • Liebe Bianca,

      Ich freue mich so sehr, dass du dich zu Wort gemeldet hast. ♥ Und natürlich auch, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Es ist eigentlich so naheliegend, aber man kommt in manchen Situationen einfach nicht auf die einfachste Lösung, wenn man z.B. vor lauter Stress den Wald vor Bäumen nicht sieht. Und wenn es dann noch in so tollen Babyratgebern heißt, dass man das Kind von Spielzeug umgeben soll… Naja.
      Es werden definitiv noch viel mehr Mama-Beiträge kommen – die Kategorie ist nun fester Teil des Blogs, da sie ja auch den Hauptteil meines Lebens ausmacht. 🙂 Ich hoffe, dir werden die Posts auch zukünftig gefallen. Beauty wird es aber auch weiterhin geben. Da ich mich momentan aber nur wenig schminke und kaum was ausprobiere (keine Zeit ^^), kommt dazu derzeit noch nicht so viel. Geht es dir da genauso mit dem Make-up?
      Ich wünsche dir weiterhin viel Freude mit deiner kleinen Tochter und alles Liebe! ♥

      • Liebe Nani, ich habe deine Antwort durch den ganzen Stress erst heute gesehen ;-). Mit dem Schminken geht es mir ähnlich. Ich habe mich schon die ganze Schwangerschaft wenig geschminkt – ich hatte einfach andere Sachen im Kopf. Langsam kommt aber die Lust auf MakeUp wieder – es fehlt nur die Zeit. Ich bin seit einem Monat wieder Berufstätig und mit Baby, Arbeit, Haushalt etc. bleibt nicht viel Zeit übrig. Aber es macht mir auch wahnsinnig Spaß so eingespannt zu sein und in der Rolle als Working Mum gehe ich voll und ganz auf. Wie geht es dir da mit deinem Blog?
        Ich wünsche euch alles Gute und freue mich auf viele schöne weitere Posts von dir – ganz egal welche Themen 😉
        P.S.: Gestern habe ich deinen Zitronen-Gugelhupf gebacken und er war sehr sehr köstlich – danke für das Rezept!

  2. Wow! Ich hab kein Kind, aber ich kann es sogar selbst ein bisschen nachfühlen. Ich liebe es minimalistisch um mich herum. Keine große Aufregung, nicht zu bunt und überladen. Die Umwelt kann spannend genug sein 🙂 Ich freue mich riesig für dich, dass du herausgefunden hast, was „gefehlt“ hat. Den Tipp werde ich mir auf jeden Fall mal ganz hinten im Köpfchen speichern, falls ich auch mal in der Situation sein sollte. Danke fürs Erzählen ♥

  3. Liebe Nani,

    vielen Dank für deine Mami-Posts. Meine Kleine ist drei Wochen alt und ich freue mich über jeden Tipp 🙂

    Danke für deinen Blog.

    PS.: Ich konnte mich heute das erste Mal wieder Schminken, was für ein tolles Gefühl sein Hobby wieder ausleben zu können 😉

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