{Gedankenkarussell} Vom Vermissen und dem Wunsch nach Beamen

Make a wish…

Letzte Woche ist mein bester Freund abgereist. Er lebt in den USA und hatte uns für 10 Tage besucht. Das erste Mal seit vier Jahren. VIER Jahre – ein richtig langer Zeitraum, wenn man mal genauer darüber nachdenkt. In den vier Jahren des „Sich-nicht-sehens“ habe ich geheiratet, sind wir zwei Mal umgezogen, ist einfach sehr viel passiert. 10 Tage sind im Vergleich zu vier Jahren quasi nichts. Sie waren schneller vorbei, als man gucken konnte. „Time goes by so fast when you’re having fun“ heißt es immer, und treffender kann man es kaum beschreiben.

Wir hatten eine großartige Zeit, haben viel unternommen. Ich habe ihm die Gegend gezeigt, denn er kannte sie bisher ja noch gar nicht. Das letzte Mal, als er uns besucht hatte, lebten wir noch in meiner ehemaligen Studentenstadt. Wiesbaden und der Rheingau waren also absolutes Neuland für ihn und entsprechend gab es viel zu zeigen. Natürlich hat bei weitem nicht alles in diese 10 Tage gepasst, was man in der Umgebung hätte sehen können. Das wollten wir aber auch gar nicht, denn dieser Mini-Urlaub sollte nicht in Stress ausarten, und außerdem haben wir so auch noch etwas für die nächsten Besuche übrig (die hoffentlich nicht ganz so lange auf sich warten lassen). Neben den Ausflügen wurde gut gegessen, viel geredet, gelacht und gespielt (es gab laaaange Spielabende mit Wizard, Kakerlakenpoker, Cards Against Humanity und anderen Kartenspielen). Es war ein wahrer „10-day-blast“, wie wir es nannten. Aber wie gesagt, war die schöne Zeit irgendwann vorbei. Der Morgen der Abreise war von einer seltsamen Stimmung umgeben. Man wusste nicht viel zu sagen, wollte sich nicht so recht trennen. Um es nicht so schwer zu machen, fiel die Verabschiedung am Flughafen recht kurz und knapp aus, und ich musste ehrlich gesagt auf der Rückfahrt meine Tränen unterdrücken. Egal wie alt man ist, Abschiede sind und bleiben kacke.

Mir war vorher gar nicht bewusst, wie leer es zuhause sein kann. Diese Stille hat mich an diesem Tag fast wahnsinnig gemacht und ich war dankbar dafür, dass gleich am Abend schon wieder Action auf uns wartete, da wir mit der Family essen gehen wollten. Und nun ist es fast wieder wie vorher – an die Stille gewöhnt, aber dennoch bleibt das Vermissen. Die Sehnsucht nach dem Spaß, den man miteinander hatte. Eine kleine Träne für jeden Gedanken an die schöne Zeit, die man miteinander verbracht hat und für die Ungewissheit, wann man sich das nächste Mal persönlich sehen wird. So ist es ja irgendwie jedes Mal, wenn man sich von lieben Menschen verabschiedet, die nicht gerade um die Ecke wohnen. Man freut sich nicht auf den wiederkehrenden Alltag, aber genau dieser Alltag bietet im Endeffekt einen gewissen Trost.

Auch wenn man auf fast täglicher Basis miteinander kommuniziert, sei es via Facebook, WA oder auch Skype, ist es doch bei weitem nicht das gleiche, als wenn man sich wirklich im selben Raum miteinander befindet. Egal wie tiefgehend die Gespräche sind, sie sind und bleiben doch auf eine bestimmte Weise oberflächlich, weil man eben nicht direkt die Reaktion des Gegenübers sieht oder die Kommunikation miteinander ebenso schnell verläuft, wie im persönlichen Gespräch. Klar erleichtert einem ein Video-Telefonat via Skype das Ganze, aber so richtig „echt“ ist es auch nicht.

In Situationen wie dieser kommt dann wieder Wunsch nach Beamen auf. Mit meiner Besten habe ich auch schon oft darüber gescherzt, wie toll es doch wäre, sich einfach zueinander beamen zu können. „Hey, ich bin nächste Woche Strohwitwe. Lust auf ein Mädelswochenende?“ – Schwupp, rübergebeamt. „Wir sollten mal wieder shoppen / zusammen ins Kino / essen gehen / *insert what you like*!“ – Ta-daaaah, mit dem Beamer kein Problem mehr. „Du hast bald Geburtstag und dieses Jahr bin ich auch mit von der Partie!“ – *Zzzzzooom*, schon ist man da. Ihr versteht, was ich meine. Gerade wenn liebe Menschen über den Globus verstreut sind, wäre es doch einfach grandios, sich spontan sehen zu können!

Aber bis es vielleicht (hoffentlich!) irgendwann soweit ist, dass man sich in kürzester Zeit sehen kann, egal wie groß die Distanz ist, bleibt nur der Wunsch nach dem Beamen übrig und die Hoffnung, dass man sich schnellstmöglich auf dem aktuell üblichen Weg wiedersehen kann. Und für die kleine Sehnsucht gibt es ja zum Glück das Handy. Ein Blick auf das kleine Ding in der Hand, eine schnell getippte Nachricht und schon steht man in Verbindung – wenn auch nicht ganz real. Aber letzten Endes ist es besser als nichts…

Seid ihr schon mal in der Situation gewesen, wo ihr euch gewünscht habt, man könnte sich einfach zu jemandem beamen?

9 Kommentare

  1. Schöner Text! Man spürt deine Sehnsucht richtig mit!
    Und klar, habe ich schon oft den Wunsch gehabt, mich zu jemandem oder einfach nur einem Ort beamen zu können. Ganz schlimm war es nach den Flitterwochen… wie gern hätte ich mich wieder zurückgebeamt… ohne den teuren und ewig langen Flug. Einfach von jetzt auf gleich auf eine Strandliege beamen… 😀
    Und sogar innerhalb einer Stadt wünschte ich oft, ich könnte mich beamen. Ich habe keinen Führerschein und so ist es oft ziemlich ätzend, dass eine meiner besten Freundinnen am anderen Ende der Stadt lebt. Ich würde sie gern öfter sehen, aber wir haben beide jeweils Kinder und sind berufstätig und da ist es leider nicht immer so einfach! :/

  2. Ich bin "nur" 350 km von meinem besten Freund und meiner Zwillingsschwester weggezogen (vorher war das gleiche die Entfernung zum Liebsten – auch nicht besser), und vermisse sie schon. Nach Amerika, wo jeder Besuch noch eine ganz andere finanzielle Belastung ist – für mich undenkbar!
    Als alter Trekkie mit vielen Freunden quer durch Deutschland verteilt hätte ich mir schon öfter mal gewünscht, in einen Transporter zu steigen – leider gehört das wohl zu den Star Trek-Ideen, die nicht umsetzbar sind. In anderen Bereichen ist es ja erstaunlich, wo die Realität die Fiktion schon überholt hat! Der olle Kirk würde seinen Kommunikator sicher gern mal gegen ein Smartphone tauschen … 😉

  3. Ja, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Meine beste Freundin ist nach dem Studium ans andere Ende Deutschlands gezogen und auch wenn man meint, so weit sei das ja eigentlich gar nicht, sehen wir uns aus Zeit- und vor allem Geldmangel nur einmal im Jahr =( Phasenweise schläft dann auch noch der Kontakt etwas, weil ich nicht gern telefoniere und sie nicht immer gern Mails schreibt, da wäre es dann noch toller sich wie früher einfach mal schnell auf nen Eistee zu treffen und einfach zu quatschen.
    Immerhin fahren wir dieses Jahr sogar mal wieder zusammen in den Urlaub, das wird großartig, aber danach auch doppelt hart sich wieder zu verabschieden ohne zu wissen, wann man sich das nächste Mal sieht.

  4. Letztes Jahr ist meine Mama an den Bodensee gezogen! Ich wohne immer noch im Ruhrgebiet! Und sie fehlt mir so unfassbar!!! Klar telefonieren wir oft oder schreiben bei whats app, aber einfach mal eine Umarmung oder bei ihr zu sein fehlt mir so sehr! Und die Strecke ist auch zu groß um mal eben hin zu fahren(mit dem Auto 7 Stunden)!
    Besonders wenn es mir mal schlecht geht ist das richtig, richtig mies =(
    Natürlich hab ich noch meine Schwester und meinen Freund, aber das ist nicht das gleiche! Manchmal braucht man eben genau DIESE Person!
    Also immer her mit dem Beamer =)

  5. Ohja, das mit dem beamen habe ich mir schon oft gewünscht. Ich kenne meine beste Freundin seit der Schulzeit und wir haben zu Fuß nur 10-15 Minuten auseinander gewohnt. Ich kann mich noch sehr gut an den letzten Sommer erinnern bevor sie in eine 400km entfernte Stadt zog. Der letzte Sommer in dem man abends mal spontan vorbeischauen, oder sich auf ein Eis in unserem Stammeiscafe treffen konnte. Wenn man dann auf einmal alleine da steht ist das wirklich Mist. Aber man lernt etwas über Freundschaft – denn sie vergeht nicht. Egal wie selten wir uns zwischenzeitlich hören oder sehen, wenn wir es dann tun, dann ist es als sei kein Tag vergangen, wir können uns alles erzählen, rumalbern. Genau wie früher. Und das ist schon unglaublich wertvoll.

  6. So oft und so sehr! 🙁 Es gibt nicht viele Menschen auf der Welt, mit denen man sich so gut versteht und von denen man sich verstanden und gesehen fühlt. Und dann sind die so weit weg und das Vermissen tut fast weh. Man will nicht irgendjemanden, man will die eine Person…
    Ich drücke ganz fest die Daumen, dass ihr euch bald wiedersehen könnt! <3

  7. Oh ja…. soooo oft habe ich mir schon genau das gewünscht. Gebeamt werden zu lieben Menschen… oder einfach an wunderbare Orte, die einen glücklich gemacht haben!

  8. Ja, das Gefühl kenne ich wirklich nur zu gut.
    Ich und mein Freund haben 3 Jahre eine Fernbeziehung geführt. Uns trennten "nur" 450km. Da wir beide Schüler waren, fehlte aber das Geld sich allzu oft zu sehen. Bei jedem Abschied blieb der fade Beigeschmack nicht zu wissen, wann man sich das nächste Mal sieht. Da wäre ein Beamer doch sehr praktisch gewesen.
    Diese Stille kann ich gut nachvollziehen. Einfach irgendwie leer.

    Aber ihr werdet auch sicher schneller wieder sehen, ganz bestimmt 🙂

  9. Diese Situation kenne ich nur zu gut.. Meine beste Freundin wohnt zwar "nur" 300km von mir entfernt, aber ich habe sie letzten Freitag das erste mal seit einem halben Jahr wiedergesehen – wir sind beide Studenten, da geht das nicht immer so einfach mit dem Hin- und Herfahren.

    Hinzu kommt, dass mein Freund in Berlin wohnt, uns trennen nette 600km. Da hat man leider viel zu oft den Gedanken "Falsche Stadt, ich möchte hier weg". Aber an solchen Erfahrungen bzw. Situationen wächst man, denke ich. Und wenn alles glatt geht, dann ändert es sich für uns im Februar 2015 zum Guten.

    Also, lass den Kopf nicht hängen!
    Alles Liebe und fühl dich gedrückt,
    Rebecca aka @strangecat

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